Das Nidovirus - Teil 1
Die neue Geißel des Grünen Baumpython: das Morelia viridis Nidovirus (MVNV)
Es überrascht immer wieder, dass der Käufer auf eine tierärztliche Untersuchung verzichtet, mit dem Argument dafür das Tier vergünstigt zu bekommen.
Damit entlässt er den Käufer aus der Pflicht nachweislich ein gesundes Tier zu verkaufen und geht das Risiko ein, seinen Bestand zu infizieren.
Das Nidovirus mag zwar nicht mehr zentrales Thema sein, aber es ist immer noch existent und rafft ganze Schlangenpopulationen dahin.
Im Jahr 2014 sorgte ein Artikel für Aufsehen, in dem die Forschergruppe um Joseph DeRisia (2014), ein Virus entdeckt hatte, welches bei Königspythons lebensgefährliche Atemwegserkrankungen auslöste.

Die Atemwegserkrankungen sind bei Königspythons seit den 90er-Jahren bekannt, ohne dass man die Ursache dafür kannte.
Schließlich fanden sie das bis dahin unbekannte Nidovirus im Erbgut.
Die Forscher gaben dem Erreger den Namen „Ball Python Nidovirus“ kurz: BPNV.
Ende 2017 konnte eine Forschergruppe aus der Schweiz nachweisen, dass sich das Nidovirus aus dem Königspython (BPNV) von jenem aus Morelia viridis im Erbgut etwas unterscheidet, was zu der Nennung MVNV führte.
Das Nidovirus gehört in die Ordnung Nidovirales in die vier Familien eingeordnet sind. Der für die Schlangenhalter relevante Virus gehört in die Familie Coronaviridae, Subfamilie Torovirinae.
Coronaviren befallen den Respirationstrakt und führen zu einer Lähmung der Zilienbewegung des Flimmerepithels des Respirationstrakts.
Als Respirationstrakt oder auch respiratorisches System bezeichnet man das gesamte System jener Organe, die der Atmung dienen.
Eine Dysfunktion der Flimmerhärchen verhindert den geregelten Abtransport von Fremdstoffen und erhöht damit massiv die Schleimproduktion.
Dieses führt zu Atembeschwerden und Ausstoß von Schleim.
Die Folge sind Infektionen mit Bakterien und Mykoplasmen.
Einer akuten Infektion folgt der Tod.
Anders als bei Bakterien lassen sich Viren nicht mit Antibiotika behandeln.
Eine erfolgreiche Heilung gäbe es nur durch die Gabe eines Impfstoffs, den es für Schlangen bisher nicht gibt.
Warum haben sich die Forscher dieser Erkrankung gewidmet?
Coronaviren sind für Erkrankungen wie HIV, Westnilfieber, Ebola, MERS, SARS verantwortlich.
Es sind Viruserkrankungen, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden können.
Darum also wollten die Biologen Reptilien nun verstärkt auf Krankheitserreger untersuchen, die möglicherweise auf den Menschen übertragen werden können.
Eine Übertragung des Nidovirus auf den Menschen wurde nicht nachgewiesen.
Trotzdem hoffen die Wissenschaftler, dass die Diagnose es ermöglichen könnte, die Rolle des Virus bei der Entstehung von Krankheiten besser einschätzen zu können.
Vielleicht ergibt sich mit dem erlangten Wissen eine Therapie erkrankter Reptilien.